Verkehr (-t ?)

„… auf der A1 in der Region Solothurn zwischen Oensingen und der Verzweigung Wiggertal in Fahrtrichtung Zürich 5 km Stau wegen Verkehrsüberlastung, und im Raum Zürich zwischen …“

Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht eine Liste solcher Mitteilungen im Radio zu hören bekommen.

Am letzten Freitag erwarteten wir Besuch von Verwandten aus dem Zürcher Oberland. Auf 1830 h haben wir einen Tisch in einem Gasthaus in unserer Nähe reserviert. Nach zweieinhalb Stunden Autofahrt meldeten sie sich um 1830 h per Natel, sie ständen im Raum Härkingen noch im Stau, hofften jedoch gegen 1900 h bei uns zu sein – rund 3 Stunden Fahrzeit für die ca 140 km Distanz mit 120 km Autobahn …

Dieser kürzliche Besuch lässt mich bei diesen Verkehrsmitteilungen vermehrt an diejenigen denken, die täglich im Stau stehen, stundenweise, viele berufsbedingt, andere mehr oder weniger freiwillig. Alle verlieren sie Zeit, die entweder der Volkswirtschaft oder aber der persönlichen Freizeit und Familie verloren geht. Der dadurch erzeugte Verlust der Volkswirtschaft geht wahrscheinlich in die Milliarden Franken pro Jahr, und die Gesundheitsbeeinträchtigungen einzelner Betroffener durch eine chronische Verkehrsüberlastung lassen sich kaum abschätzen.

Wie soll das weiter gehen? Massnahmen zur Verbesserung sind auf Ebene Verkehrsdichte / Verkehrsteilnehmer denkbar oder auf der Ebene des Strassenangebotes.

In der Schweiz rechnet man längerfristig mit 10 Mio Einwohner, was eher eine Zunahme des Individualverkehrs erwarten lässt. Andererseits hat die Quote der jungen Neulenker prozentual in den letzten Jahren abgenommen, und gleichzeitig nimmt die Arbeitsmöglichkeit von zu hause aus per elektronische Medien zu. Beide Tatsachen sprechen für ein nicht lineares Ansteigen des Verkehrs mit dem Bevölkerungswachstum. Gleichzeitig wird der ÖV ständig ausgebaut, vor allem in den Ballungszentren wie aktuell im Raum Genf – Lausanne.

Diese Tendenzen erlauben die Hoffnung, dass die Spitze des motorisierten Verkehrs mehr oder weniger erreicht ist und letzterer in Zukunft eher plateauförmig verläuft.

Damit ist das Problem aber noch nicht gelöst. Um das bestehende Verkehrschaos zu entschärfen müssten alle Engpässe saniert werden: das bedeutet Umfahrungsstrassen und partieller Ausbau der Autobahnen.

Dabei lassen die vorherigen Ausführungen die Angst gewisser politischer Kreise dämpfen, ein besseres Angebot führe automatisch zu mehr Individualverkehr.

Bestände die längerfristige Entschärfung somit nicht ganz einfach in einem vernünftigen aber raschen Ausbau von Strassenengpässen – selbstverständlich neben der weiteren Optimierung unseres jetzt schon weltweit vorbildlichen ÖV?

Vielleicht ist meine Sicht zu banal – aber muss es denn immer kompliziert, fast endlos und entsprechend teurer sein, wenn es möglicherweise auch einfach und rasch gehen könnte?

Dr. med. J. Naef, Herzogenbuchsee