Wär ich doch Milena Moser

Nicht (nur) wegen ihrer Zugehörigkeit zum feinfühligen und liebenswürdigen Geschlecht; wegen ihrer Möglichkeit, Dank Zugehörigkeit zu einem künstlerischen Beruf (fast) alles sagen und schreiben zu dürfen, was sie will. Auch nicht nur wegen ihrer unbestreitbaren Fähigkeit und Gabe zum Dichten und Schreiben überhaupt.

Dann würde es mir viel einfacher Fallen, Editorials noch und noch nach ihrem Vorbild zu schreiben; weniger wegen dem Schreiben an und für sich, sondern wegen der Vielfalt der möglichen Themenwahl. Sie schreibt brillant über alles; über ihre abwechslungsreiche Vergangenheit mit Reisen in alle Welt ebenso wie über Leute von gestern und heute oder über Trends von morgen.

So sehr ich mich auch bemühe, in unserer medizinischen Zeitschrift in einem nichtfachlichen Editorial Aufbauendes zu schreiben, lande ich thematisch nach über 25 jähriger Praxistätigkeit getrieben durch tägliche Ereignisse oft in einer düsteren Realität, die uns die Politik beschert.

So werde ich in der Sprechstunde zunehmend mit Schlagwortdiagnosen wie „Mobbing“  oder „Burnout“ konfrontiert und versuche, mit Empathie und manchmal auch mit blauen Zeugnissen Linderung zu schaffen. Unter diesem „Burnout“ verstehen die Patienten in der Regel „Stress“ als Folge einer übermässigen Arbeitsbelastung. Wir hingegen wissen, dass dies alleine nicht pathogen sein muss und unterscheiden zwischen fruchtbarem Eustress und eben schädigendem Distress.

Was genau macht denn diesen „Stress“, diese überdurchschnittliche Arbeitsleistung zum krankmachenden „Burnout-Faktor“ ?

Viel und sogar sehr viel Arbeit kann beflügeln, ja sogar glücklich machen, wenn sie erfüllend ist und als Gegenleistung die entsprechende Anerkennung kommt. Sei dies in materieller Hinsicht als Entgeld – und genau so wichtig als fühlbare Wertschätzung.

Überdurchschnittliche Leistungen über eine längere Zeit, welche im Gegensatz dazu mit Misstrauensvoten, Schikanen und gar finanziellen Schmälerungen „honoriert“ werden, führen zu dieser schwer therapierbaren und nicht selten deletär endenden Krankheit namens „Burnout“.

Zum Glück ist das reine Theorie, und Patienten, die sich davon betroffen wähnen, sind reine Psychosomatiker.

Oder kennen Sie etwa einen Berufsstand, dessen Angehörigen fast tagtäglich öffentlich vorgeworfen wird, sie arbeiteten nur so viel um überrissene Rechnungen stellen zu können? Denen böswillig und schikanös ständig Arbeitsinstrumente (wie zB Laboranalysen) strittig gemacht werden? Deren Lohn in regelmässigen Abständen trotz Teuerung sogar geschmälert wird? Und von denen periodisch einzelne Mitglieder in Schauprozessen zu horrenden Honorarrückzahlungen verurteilt werden … ?

Dr. med. Jürg Naef, Herzogenbuchsee