Winterwetter

Die Meterologen messen objektiv die Güte eines Winters anhand der Temperaturen, der Niederschlagsmenge, des Aggregatszustandes des gefallenen Niederschlags und der Dauer der Bodenbedeckung mit Schnee.

Wir, die Durchschnittsbevölkerung, haben die Tendenz, die Jahreszeiten nach unseren subjektiven Gefühlen zu bemessen. Den Sommer nach der Sonne und den Winter zweifellos nach dem Schnee. Dabei spielen jedoch viele zusätzliche Faktoren eine Rolle: sind die Winterferien wirklich auch in die Schneephase gefallen, und haben wir in den Sommer- oder Herbstferien genügend Sonne zum Braunwerden erhalten ? War das entsprechende Jahr auch in anderen persönlichen Belangen positiv ausgefallen, oder wurde es durch unliebsame Ereignisse oder Schicksalsschläge getrübt ? Zusätzlich kommt meist die verklärende Wirkung des „früher“. Früher haben wir doch „den ganzen  Winter hindurch“ gerade hinter dem Haus noch schlitteln können… , da war es eben noch so richtig Winter…

Politiker scheinen sich nicht nur beim Einschätzen des Wetters zu verhalten wie die Durschnittsbevölkerung, nämlich nach dem Bauchgefühl und nach der verklärenden Wirkung des „früher“: der Dorfdoktor oder der städtische Hausarzt war früher nicht nur angesehen, er war auch wohlhabend; er leistete sich gute Autos und bewohnte schöne Villen.

Würden die Politiker sich nur schon etwas an die exakten Daten und Methoden der „Meterologen“ halten – sie  sind mehr als bekannt und werden oft genug in Statistiken veröffentlicht und in Hilferufen der betroffenen Grundversorgervereinigungen erwähnt – hätten sie längst den tiefen Frost erkannt, in dem sich die medizinischen Grundversorger befinden und hätten somit Gegensteuer gegeben. Aber eben – viele Politiker sind eben auch nur Menschen, denen „der Bauch“ näher ist als der Kopf.

Dr. med. Jürg Naef, Herzogenbuchsee