Zwölf Todesopfer

„Im Süden Nordkoreas ist gestern Abend in einer Schlucht ein Kleinbus von der Strasse abgekommen und in die Tiefe gestürzt. Die elf einheimischen Passagiere und der Fahrer kamen dabei ums Leben. Die Ursache des Unglücks ist laut den Behörden noch unbekannt“.

Traurig; eine Tragödie ohne Zweifel für die Angehörigen und das Umfeld.

Immer wieder hören wir solche und ähnliche Meldungen in unseren offiziellen nationalen Nachrichten. Aber – gibt es wirklich jemanden bei uns, der aus dieser Nachricht mehr als nur die Befriedigung seiner Sensationslust ziehen kann ?

Wenn auf der A1 von B nach C in Fahrtrichtung D ein Stau wegen eines Unfalles auftritt, gibt es praktisch automatisch einen Stau in der Gegenrichtung infolge Fahrtverlangsamung durch neugierige Verkehrsteilnehmer.

Unsere Gesellschaft saugt solche Sensationen gierig auf wie vor 2000 Jahren die plebs in Rom ihre „panem et circenses“ .

Durch unsere globale mediale Vernetzung werden wir schon überhäuft mit mehr oder weniger wichtigen  negativen Schlagzeilen, und dies beinahe in Echtzeit und oft auch ohne es wirklich zu wollen. Was sollen dann noch solche negative Meldungen vom anderen Ende der Welt, die für uns effektiv kaum einen Informationswert haben ?

Im Rahmen von Suiciden haben sich die Journalisten und Redaktoren auf ein Stillhalteabkommen verpflichtet im Wissen, dass das Verbreiten solcher Meldungen ansteckend ist und depressive Menschen in den Selbstmord treiben kann.

Wo bleibt hier das Verantwortungsgefühl von Nachrichtenredaktoren bei der Verbreitung  solcher für uns irrelevanter Negativmeldungen ?

Wird nicht auch auf Grund dieser unsinnigen Nachrichten unsere Sensationslust und Neugier auf fatale Schlagzeilen zusätzlich angeheizt ?

Dr. med. Jürg Naef, Herzogenbuchsee